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An dieser Stelle veröffentlichen wir zwei Gastbeiträge, welche ebenfalls dem Mannheimer Morgen als Leserbriefe zugekommen sind.

Die Leserbriefe beziehen sich auf diesen am 28.01.2023 erschienen Artikel im Mannheimer Morgen.


Wir als QuadRadEntscheid betrachten die neue Planung als massives Versagen der Stadt im Hinblick auf die Verkehrswende in Mannheim. Diese Planung stellt keinen Kompromiss dar, sondern eine Festschreibung des aktuellen Zustandes auf Jahrzehnte, ohne jegliches Zeichen einer Mobilitätswende. Die Leidtragenden sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer: Kinder, ältere und mobilitätseingeschränkte Personen, Fußgänger*innen, Radfahrende.


Es ist Aufgabe des Gemeinderats, die Stadtentwicklung zu lenken und nach bestimmten Zielen auszurichten (Verkehrswende, Teilhabe, Klimaschutz). Natürlich werden immer wieder Menschen, die ihre individuellen Interessen bedroht sehen, aufbegehren und schreien. Die Stärke einer Kommune zeigt sich darin, diese Aufschreie einer kleinen, aber lauten Minderheit auszuhalten und dennoch im Sinne der stadtentwicklungspolitischen Ziele zu handeln. Das funktioniert in Mannheim offensichtlich nicht. Veränderung geht anders!


Leserbrief 1 - Gerd Hüttmann, Vorsitzender ADFC Mannheim

„Die Anwohner haben sich gegen eine übermächtige Verwaltung erfolgreich zur Wehr gesetzt und mit einer Kompromisslösung ihre Parkplätze im Speckweg gerettet“. Für insgesamt 5 Millionen Euro gibt es nun im Wesentlichen eine grundhafte Fahrbahnsanierung und damit ein Ende der temporären Geschwindigkeitsbeschränkung.

Für Radfahrende bleibt es beim baulich bedingten Überholverbot, dem fehlenden Abstand zu rücksichtslos geöffneten Beifahrertüren sowie der Berg-und Talbahnfahrt an Grundstückszufahrten und Einmündungen. Mit Dünnschicht-Kaltasphalt werden die schlimmsten Radwegstellen etwas geglättet, bei den Gehwegen findet gar keine Sanierung statt.

Auch wenn mit dem zu begrüßenden Minikreisel an der Alten Frankfurter Straße eine konfliktträchtige Einmündung entschärft werden soll, muss hier der Mindestabstand von 1,50 m beim Überholen von Radfahrenden erst noch durchgesetzt werden.

Die Straßenverkehrsordnung sieht ein Parkverbot im Abstand von 8 m vor und hinter den Einmündungen der Nebenstraßen vor. Ob es durch den kommunalen Ordnungsdienst künftig kontrolliert wird, bleibt abzuwarten.

Unter Kompromiss verstehe ich, wenn alle Beteiligten einen Teil ihrer Bedürfnisse erfüllt bekommen und auf einen anderen Teil verzichten müssen. Mit der Fahrbahnsanierung im Speckweg werden Autofahrende bis auf vier wegfallende Parkplätze alles behalten und können sich auf eine neue, glatte Fahrbahn freuen, während Radfahrende sowie zu Fuß Gehende so gut wie nichts bekommen.

Für den Speckweg lautet die Devise von Politik und Verwaltung also „weiter so!“ – die Verkehrs- und Energiewende findet hier die nächsten 20 Jahre nicht statt. Wie passt das zu einer EU-Modellstadt „Klimaneutralität“, die bis 2030 Klimaneutral werden will?


Leserbrief 2 - Werner Dörring, Mitbegründer Bündnis Fahrradstadt Mannheim

Faule Kompromisse helfen niemanden.

Die besorgniserregende Verkehrssituation im Speckweg ist darauf zurückzuführen, dass alle Verkehrswege in desolatem Zustand sind und die Parksituation im Speckweg dazu führt, dass kein Verkehrsteilnehmer, einschließlich der Autofahrer, die Verkehrswege gefahrlos nutzen kann. Durch wildes ungeordnetes Parken von Kraftfahrzeugen wird die Sicht für auf den Speckweg einfahrende Autos und Fahrräder versperrt, für Fußgänger eine Überquerung des Speckweges an vielen Stellen zu einer gefährlichen Angelegenheit. Fahrradfahrer bewegen sich auf einer komplett sanierungsbedürftigen Fahrbahn mit der Gefahr jederzeit von einer sich öffnenden Autotür vom Fahrrad geholt zu werden, weil keinerlei Abstände zum parkenden Verkehr eingehalten werden können.

Würde man, wie von der Verwaltung im März 2022 konzipiert, die Verkehrswege getrennt

mit den neu gültigen Sicherheitsstandards führen, müsste ein Sicherheitsabstand von 75 cm des Radweges zum parkenden Verkehr und nach der novellierten StVO ein parkfreier Raum von 8 m vor Kreuzungen eingehalten werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Der neue Entwurf sieht vor, diese Sicherheitstandards bewusst zu umgehen und auszuhebeln, um möglichst viele Stellplätze für die Anwohner und Gewerbetreibende zu erhalten. Die Verkehrssicherheit spielt keine Rolle mehr. Statt einer getrennten Verkehrsführung unter Einhaltung der Sicherheitsstandards soll nur noch der Straßenbelag erneuert werden.

Es kann nicht hingenommen werden, dass die Parteien auf kommunaler Ebene

Verkehrssicherheitsstandards, die sie auf Bundes- und Landesebene vereinbart haben, in

bewusster und rechtswidriger Weise umgehen und die Verkehrssicherheit der Bereitstellung kostenloser Stellplätze für Anwohner und Gewerbetreibende opfern. Bundes- und Landeszuschüsse zum Bau von Verkehrswegen würden hier nicht gezahlt, da diese an die Einhaltung der Sicherheitsstandards gekoppelt sind.

Ein Kompromiss kann nur auf der Grundlage des ursprünglichen Verwaltungsentwurfs unter Einhaltung der Sicherheitsstandards verhandelt werden. Spätestens bei der nächsten Radwegplanung wird der faule Kompromiss die Parteien wieder einholen, da die Sicherheitsstandards zu beachten sind. Ihre Glaubwürdigkeit hätten sie dann allerdings verloren.

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Im Mai 2022 begann die Stimmensammlung für unser Bürgerbegehren für bessere Rad- und Fußinfrastruktur in Mannheim. Wir blicken zurück auf viele Aktionen und tausende Unterhaltungen mit interessierten Mannheimer*innen. Unserer Höhepunkt war die Lotsenaktion für Grundschüler*innen auf Franklin. Leider weigert sich die Stadtentwicklungsgesellschaft weiterhin, dort eine sichere Lösung im Sinne der Fußgänger*innen zu schaffen. Lediglich ein Schild "Achtung Schulkinder" soll nun aufgestellt werden.



Quelle: Mario-K/Pixabay.com


Umso wichtiger ist es, weiterhin für sichere Infrastrukur in Mannheim zu trommeln.

Beim Frühlingsempfang 2022 und beim Neujahrsempfang im Januar 2023 im Rosengarten haben uns viele Interessent*innen besucht. Unsere Gruppe an Menschen, die sich für bessere Rad- und Fußinfrastruktur stark macht, ist dadurch etwas gewachsen.

Wir haben nun bereits mehr als 4000 Mannheimer*innen für eine Unterschrift zu unseren Zielen überzeugen können. Tausend Dank dafür!

Damit wir die 17.000 Unterschriften schaffen, brauchen wir Eure Unterstützung und heißen weitere Aktive bei uns gerne willkommen. Bleibt auf dem Laufenden über unsere Aktionen in der Whatsapp Gruppe und der Signal Gruppe.


Tritt jetzt unserer Sympathisantengruppe bei:


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WhatsApp Gruppe QuadRadEntscheid beitreten.


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Der QuadRadEntscheid Mannheim hat gestern einen Ghost-Rollator an der Unfallstelle Lichtenbergstraße / Rheinuferstraße Ludwigshafen platziert. Dort wurde am 07.11.2022 eine Fussgängerin beim Überqueren der Straße vor den Augen ihres Mannes durch den Fahrer eines abbiegenden Lkw getötet. [1]

Aufstellung des Ghostrollators, Rheinuferstraße Bildquelle QEM

Der Unfall passierte am Anfang der Kurve, in einem Bereich, der gut einsehbar ist. An der Stelle ist ein Durchfahrtsverbot für Lkw angeordnet, welches durch das Zusatzschild "Lieferverkehr frei" abgeschwächt wird. Welcher Lkw nun tatsächlich Lieferverkehr ist, wurde vermutlich noch nie kontrolliert. Die Frage drängt sich auf, wozu solche Regelungen eingerichtet werden, wenn sie dann nicht kontrolliert werden.


Wir fordern konkrete Verbesserungen, um diesen problematischen Kreuzungsbereich zu entschärfen:


1. Der Gehweg, der im Kurvenbereich zwischen Lichtenbergstraße und Rheinuferstraße (rot), der diesen Namen nicht verdient, sollte physisch gesperrt oder rückgebaut werden, um eine Verwendung durch Fussverkehr zu verhindern. Wenige Meter weiter existiert eine Querverbindung zwischen den beiden Straßen durch die Grünanlage (grün), welche unkompliziert von Fussverkehr verwendet werden kann.

Karte der Unfallstelle. Rot eingezeichnet geforderte Sperrung bzw Rückbau, grün eingezeichnet die existierende Querung für Fussverkehr
Karte der Unfallstelle. Rot eingezeichnet geforderte Sperrung bzw Rückbau, grün eingezeichnet die existierende Querung für Fussverkehr

2. Anstatt einer Absenkung für Fuss- und Radverkehr an der Stelle, wo die Straße den geteilten Rad- und Gehweg kreuzt, sollte stattdessen eine Erhebung eingerichtet werden. Das hätte zur Folge, dass Fuss- und Radverkehr zwei Stolperfallen genommen werden. Zum anderen würde eine Schwelle für den Kfz-Verkehr entstehen, welche eine Verringerung der Fahrtgeschwindigkeit zur Folge hätte. Den Fahrzeugführer*innen wird dadurch mehr Zeit gegeben und damit die Wahrscheinlichkeit erhöht, die Verkehrssituation richtig einzuschätzen.

Forderung 2: Ebenerdige Rad- und Fusswegfüjhrung, sowie Schwelle für Kfz-Verkehr [3]

3. In den Niederlanden gibt es an gefährlichen Kreuzungen große Warnpoller in schwarz-weiß gestreift. Diese signalisieren dem Autoverkehr, dass an dieser Stelle Achtung geboten ist [2]. An dieser Stelle sucht man solche deutlichen Hinweise vergeblich. Denkbar wären auch eine gelb blinkende Ampel, die Abbiegende Kfz warnt und oder ein Achtung Radfahrer und Achtung Füssgänger Schild.


4. Ein Durchfahrtsverbot für Lkw (Lieferverkehr frei) ist nett gemeint, aber das Schild nicht wert, auf dem es steht, wenn keine Kontrollen stattfinden. Durchfahrtsverbote müssen kontrolliert werden.


Die Forderungen zeigen vor allem eines: Infrastruktur wurde bisher rein aus Perspektive der Autolobby gedacht. Das ist weder zeitgemäß und auch nicht mehr vermittelbar. Es muss sich etwas ändern und zwar jetzt!


Und zum Abschluss die Frage, warum immer erst etwas schlimmes passieren muss, bevor die Verkehrsplanung sich eine problematische Stelle anschaut und diese aktiv entschärft.

Einmündung Rheinuferstraße, Bildquelle: QEM

Gerade kürzlich sprach Christian Specht (CDU) Dezernat I bei der ABC-Schützen-Tournee von #VisionZero. [4] Gleichzeitig verweigert die Stadt Mannheim die Einrichtung einer Ampel oder eines Zebrastreifens vor der Schule auf Franklin. [5] Alle Stellen mit Handlungsbedarf zu benennen, würde den Rahmen dieses Posts sprengen. Leider ist unsere Erfahrung, dass Kommunen nur auf Druck reagieren. Wir möchten daher jede*n ermutigen: falls euch gefährliche Stellen auffallen, wo Infrastruktur verbessert werden sollte, wendet euch an eure Kommune und bringt euch aktiv ein. Nur so wird sich etwas ändern.


[1] https://presseportal.de/blaulicht/pm/117696/5364663

[2] https://arcd.de/detail/kreuzungen-fuer-alle-sicherer-gestalten

[3] https://www.mass.gov/doc/chapter-4-intersection-design-0/download S. 58

[4] https://presseportal.de/blaulicht/pm/14915/5390244

[5] https://quadradentscheid.de/post/stadt-mannheim-weigert-sich-zebrastreifen-oder-ampel-fuer-kinder-der-franklin-schule-einzurichten

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