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Fehlende Parkmöglichkeiten für Fahrräder am Luisenpark und am Herzogenriedpark Mannheim

Es hat sich richtig angefühlt, als es während der BUGA Mannheim 2023 gegenüber vom Haupteingang des Luisenparks Fahrradparkplätze gab. Da konnte man zu jeder Tageszeit an jedem Wochentag hinkommen und fand direkt gegenüber vom Eingang einen Platz an einem der unzähligen Fahrradstellplätze, die für die BUGA-Gäste aufgestellt worden waren.

Dann war die BUGA zu Ende und die Fahrradparkplätze verschwanden so schnell wie sie aufgetaucht sind. Es gibt nun keinen einzigen Fahrradparkplatz am Haupteingang, der für Fahrräder geeignet ist. Stattdessen findet man eine seltsame Konstruktion aus Absperrgittern vor, die wahrscheinlich für das Fahrradparken vorgesehen ist. Dabei handelt sich um vier mal drei dreieckig angeordnete Absperrgitter. Die Frage, ob das allen Ernstes ein Fahrradparkplatz sein soll, müssten wir Herrn Ernst Schnellbach stellen, dem Geschäftsführer der "Stadtpark Mannheim gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung", die den Luisenpark betreibt oder deren Aufsichtsbehörde, das Dezernat V der Stadt Mannheim, das derzeit Frau Prof. Dr. Pretzell unterstellt ist. [1] An der Kasse wird zumindest auf dieses seltsame Konstrukt verwiesen, fragt man dort nach Fahrradabstellmöglichkeiten.


zwei Dreiecke aus jeweils 3 Absperrgittern, die als Dreieck angeordnet sind ist zu sehen, daran wurden Fahrräder angeschlossen. Ort: Rechts neben dem Haupteingang Luisenpark
Rechts neben dem Haupteingang Luisenpark. Quelle: QEM

Da es sich um Absperrgitter handelt, ist die Nutzung der Konstruktion mit Vorsicht zu genießen. Wird das Rad senkrecht zu den Absperrgittern geparkt, dann kann dies die Speichen beschädigen, insbesondere wenn das Rad kippt, was bei der großen Anzahl an Rädern insbesondere an Wochenenden nicht unwahrscheinlich ist. Stellt man das Rad längs an das Gitter, dann muss man aufpassen, dass das Gitter nicht Rahmen oder Lenker verkratzt. Je nach dem wie die Räder dort abgestellt werden, haben ca. 3-6 Räder pro Absperrgitter-Dreieck Platz, insgesamt können ca. 24 Fahrräder so angekettet werden.


Die wenigsten Radfahrer*innen wollen ihr Rad abstellen, ohne es irgendwo angekettet zu haben. Weil es zum Anschließen allerdings keinen Platz gibt, werden die Räder wild abgestellt. Das wiederum schädigt die Grünstreifen am Zaun um den Haupteingang herum und die Baumscheiben werden zertrampelt. Die Grünstreifen sind mittlerweile zu Braunstreifen mutiert und für die Besucher scheint es völlig normal, in das Beet zu laufen, um dort dann ihr Fahrrad abzustellen. Ob das auf dem Gelände des Luisenparks ebenfalls so toleriert würde? Für den Bereich direkt vor dem Zaun des Parks fühlt man sich offenbar schon nicht mehr zuständig. Schade, denn die Außenwirkung wird dadurch nicht befördert.


Ist das die Lösung? Soll so der Haupteingang einer "grünen Oase mitten in der Stadt" aussehen, wie die Stadt Mannheim den Park bezeichnet? [2]



Am Eingang zum Luisenpark am Fernmeldeturm sieht es ähnlich aus. Auch dort waren während der BUGA viele Radparkplätze, aktuell gibt es dort 10 Fahrradbügel für den Eingang zum Park. Diese reichen zumindest an den Wochenenden bei weitem nicht aus. Es ist nicht verwunderlich, dass keine Menschen mit Pedelecs die beiden Parks besuchen, wenn es keine sicheren Abstellmöglichkeiten gibt. Auch für Lastenbikes, welche insbesondere Familien mit Kindern nutzen, fehlen sichere Abstellmöglichkeiten. Von einer Überdachung derselben wollen wir hier gar nicht reden.



Der Luisenpark schreibt auf seiner Website, dass jährlich 1,2 Millionen Besucher in den Park kommen. [3] Das wären durchschnittlich über 3000 Besucher pro Tag. Und es wird davon ausgegangen, dass 4 selbstgebastelte Absperrgitter-Gestelle am Haupteingang und 10 Bügel am Eingang Fernmeldeturm ausreichend sind? Wird der Anteil der radfahrenden Besucher*innen so gering eingeschätzt?


Eine ähnliche Parksituation erwartet die radfahrenden Gäste am Herzogenriedpark, der ebenfalls durch die Stadtpark-Gesellschaft unter der Geschäftsführung von Herrn Schnellbach betrieben wird. Ihre Freizeit genießen hier 500.000 Besucher*innen jährlich. [3] Für diese stehen an drei Eingängen 57 Fahrradstellplätze, davon 26 sogenannte "Speichenbrecher", zur Verfügung.



Übrigens ist es aktuell nicht möglich herauszufinden, wo man mit dem Rad in Mannheim sicher parken kann. Die von uns angefragte Karte mit Fahrradabstellmöglichkeiten in Mannheim ist leider noch nicht verfügbar. Wir wissen aber, dass daran derzeit gearbeitet wird und freuen uns sehr darauf, hoffentlich bald ein Ergebnis bekanntgeben zu dürfen.


Warum ignoriert die Parkgesellschaft und auch die Stadt Mannheim als deren Aufsichtsbehörde, dass Menschen mit dem Rad zum Luisenpark kommen und schafft durch ein fehlendes Infrastrukturangebot Negativanreize, nicht mit dem Rad zu den Bezahlparks anzureisen? Ganz sicher sind unter den Menschen die gerne mit dem Rad anreisen würden einige der 30.000 Menschen, die sich eine nicht gerade günstige Jahreskarte für den Park gekauft haben. Diese gibt es für Paare mit Kindern bis 15 Jahre für 153 Euro oder Alleinerziehende mit Kindern für 94 Euro. Eine Jahreskarte für Kinder zwischen 6 und bis 15 Jahren kostet 23 Euro. Einzelpersonen zahlen 59 Euro pro Jahr. [4]


Vergleicht man die Zahl der Fahrradparkplätze mit den Parkplätzen für Autofahrer rund um den Luisenpark, dann wird eine Schieflage deutlich. Im 10-15-Minuten-Fußweg-Umkreis um den Park verteilt, z. B. am Friedensplatz, in der Ludwig-Ratzel-Straße (siehe Foto unten rechts) und beim Carl-Benz-Stadion stehen ca. 1.500 kostenlose Parkplätze zur Verfügung. [5]



Auch der Herzogenriedpark kann mit einem deutlichen Plus an Autoparkplätzen gegenüber Radparkplätzen aufwarten: Einer der Eingänge zum Herzogenriedpark liegt genau gegenüber vom Neuen Messplatz, auf dem ca. 600 Autos kostenlos parken können. Dazu kommen noch ca. 100 Plätze bei der GBG-Multihalle und der Seitenstreifen an der Hochuferstraße, ebenfalls kostenlos.


August-Kuhn-Straße, Parkplatz an der GBG-Multihalle, beim Herzogenriedpark. Quelle: QEM

Die Schieflage, in Bezug auf Fahrradparkplätze ist klar ersichtlich. Die wissentliche und bewußte Inkaufnahme der negativen Folgen ist untragbar. Die Fahrradfahrer*innen müssen Angst um ihre Räder haben, weil sie leicht gestohlen werden können, wenn es keine sicheren Abstellmöglichkeiten dafür gibt. Andererseits kann so ein "Speichenbrecher", genau wie ein Absperrgitter, den Reifen schaden. Psychologisch gesehen ist davon auszugehen, dass ein Teil der Parkbesucher*innen ein Dilemma erlebt, wenn sie beim Abschließen ihrer Räder am Zaun den Pflanzen schaden oder ihren Kindern erklären müssen, warum sie ihre Räder in die Grünstreifen stellen oder sie ihre Räder am nächst besten Laternenpfosten festketten. Die Gruppe der Pedelec-Fahrer*innen wird als Parkklientel komplett ignoriert, denn sie werden ihre Räder bestimmt nicht ohne die Möglichkeit diese sicher abschließen zu können, parken. Last but not least führt das wilde Parken zu Konflikten mit Fußgänger*innen, die um die Parks herum auf den Gehwegen Rädern ausweichen müssen, die an jedem freien Laternenpfahl festgekettet sind.


Demgegenüber stehen über 2000 kostenfreie Autoparkplätze.


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